Götzens, Pfarrkirche Hl. Peter und Paul

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A few years ago I came across a booklet with brief biographies of four local priests who had resisted the Nazis and were killed for it. While planning my recent visit to Axams, I realized that I would be very close to the Church of Ss. Peter and Paul, in Götzens, where the ashes of Father Otto Neururer are kept. He had come there as parish priest in 1932, got on the wrong side of the Gauleiter after the annexation of Austria in 1938, was arrested and eventually sent to Buchenwald concentration camp. He continued to spread the word of Christianity and minister to other inmates, for which he was hanged naked by the feet until he died, a painful 34 hours later. A fellow inmate who witnessed Neururer’s hanging said that he never cried out, but only prayed softly until he lost consciousness. // Vor ein paar Jahren stieß ich auf ein Büchlein mit Kurzbiografien von vier lokalen Priestern, die in Opposition zu den Nazis standen und dafür ermordet wurden. Während der Planung meines Besuchs neulich in Axams merkte ich, dass ich sehr nahe an der Kirche von St. Peter und Paul in Götzens, wo die Asche von Pater Otto Neururer vorbeikommen werde.
Er hatte dorthin als Pfarrer im Jahr 1932 gekommen, fiel nach der Annexion von Österreich im Jahre 1938 beim Gauleiter in Ungnade, wurde verhaftet und schließlich nach Buchenwald ins Konzentrationslager geschickt. Er fuhr dort fort, das Wort des Christentums unter den anderen Häftlingen zu predigen, wurde dafür an den Füßen nackt auf gehängt bis er starb, schmerzhafte 34 Stunden später. Ein Mithäftling , der Neururer hängen sah, bezeugte, dass er nie geweint hat, sondern nur leise betete, bis er das Bewusstsein verlor.

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Father Neururer’s ashes were returned to Götzens, and the church has them in a golden urn, ringed with Dornenkronen, displayed prominently underneath the altar. // Pater Neururers Asche wurde nach Götzens gebracht, und die Kirche hat sie in einer goldenen Urne mit Dornenkronen herum, prominent unter dem Altar präsentiert.
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The church’s interior bears a very strong resemblance to that of the Innsbruck Cathedral, with that cake-icing-and-beeswax style and color scheme; although they are both 18th century works, as far as I can tell they are by completely different artists. // Der Innenraum der Kirche hat große Ähnlichkeit mit der Innsbrucker Dom, mit diesem Zuckerbäcker-und Bienenwachs-Stil entsprechende Farbgebung; obwohl sie beide Werke aus dem 18. Jahrhundert sind, gehe ich davon aus, dass sie von ganz verschiedenen Künstler gestaltet wurden.
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In front of the church but discreetly outside the churchyard wall, the village war memorial to its fallen soldiers. Just as discreetly, the most visible side honors the fallen from 1914-1918. The centenary of the Great War years must come as somewhat of a relief to many communities in Austria, accustomed to (but by now weary) of the relentless Third Reich anniversaries. // Vor der Kirche, aber unauffällig außerhalb der Friedhofsmauer, hat das Dorf ein Kriegerdenkmal für seine gefallenen Soldaten. Ebenso diskret, daß die am besten sichtbare Seite die 1914-1918 Gefallenen ehrt. Die Hundertjahrfeier des 1. Weltkrieges muss als etwas von einer Erleichterung für viele Gemeinden in Österreich sein, daran gewöhnt, (aber jetzt müde) unerbittlich mit Jubiläen zum Dritten Reich konfrontiert zu werden..

A Chapel in Axams

A free Sunday afternoon and it happens to be Tag des Denkmals in Austria. This is a day for  cultural and historical monuments across the country, and often there is the chance to see something not normally open to the public.
That opportunity is what got me on a bus to Axams, a village on the slopes of the mountains southwest of Innsbruck. Axams is a very, very old village; archaeological finds point to human settlement in the area as far back as 1200 BCE and the current name is of Celtic origin (Ouxumenes, “very high place”). (g) Its situation on a sunny plateau high above the Inn Valley certainly made it prime real estate then (and now — it’s both a commuter town, being a 20-minute drive from Innsbruck, and a popular spot for ski tourists). // Ein freier Sonntagnachmittag und Tag des Denkmals in Österreich. Dies ist ein Tag für die kulturellen und historischen Denkmäler im ganzen Land, und oft gibt es die Möglichkeit, etwas in der Regel nicht für die Öffentlichkeit zugängliches zu sehen.
Diese Gelegenheit brachte mich in einem Bus nach Axams, einem Dorf im Mittelgbeirge südwestlich von Innsbruck. Axams ist ein sehr, sehr altes Dorf; archäologische Funde weisen auf menschliche Besiedlung in der Region soweit zurück, wie 1200 v.Chr; und der aktuelle Name ist keltischen Ursprungs (Ouxumenes, “sehr hohen Platz”).  Seine Lage auf einem Sonnenplateau hoch über dem Inntal machte es zu einem attraktiven Siedlungsgebiet (und heute ist es sowohl eine Trabantenstadt, 20 Minuten Fahrt von Innsbruck, alsauch ein beliebter Ort für Ski-Touristen).

But the cultural site on offer today was from an era a bit later in its history. The Widumkapelle (“dower”, or endowment chapel) was built around 1330, originally stood as a stand-alone structure, and then became part of the larger parish offices. Into the late 1990s it was used as a furnished meeting room; after extensive excavation in 2003, the original frescoes (g) were uncovered and restored. These frescoes, interestingly, reveal that the original structure was not simply a chapel. // Aber die Kultstätte im Angebot war heute aus einer etwas jüngeren Zeit. Die Widumkapelle wurde um 1330 erbaut, ursprünglich freistehendes Objekt, das später Teil des Pfarramts wurde. Bis in die  späten 90er Jahre wurde es als möblierten Besprechungsraum verwendet; nach umfangreichen Ausgrabungen im Jahr 2003 wurden die Fresken freigelegt und restauriert. Diese Fresken zeigen interessanterweise, dass die ursprüngliche Anlage nicht einfach nur eine Kapelle war.

IMG_1619IMG_1627While the eastern wall bears sacred images of Saints Christopher and Dorothy (both early Christian martyrs), // An der östlichen Wand befinden sich Bilder der Heiligen Christophorus und Dorothea (beide frühchristlichen Märtyrer),

IMG_1628…the western wall displays two jousting knights representing the Knights of Freundsberg and Starkenberg. // …die Westwand zeigt zwei Turniereritter, die Ritter von Freundsberg und Starkenberg.

IMG_1624The northern wall, meanwhile, bears the image of a kind of doorman/bouncer, ready to pummel any unwelcome visitors as they enter. There are also several crests of Austrian principalities.  Was this small building erected for official business between clergy and ruling nobility? A kind of ceremonial or memorial hall, as our guide today suggested? Historical research has not yet come up with the answer. // Wohingegen die Nordwand, das Bild von einer Art Pförtner / Türsteher zeigt, bereit, allen unerwünschten Gästen eins über die Rübe zu geben. Es gibt auch mehrere Wappen der österreichischen Fürstentümer. Wurde das kleine Gebäude für offizielle Zwecke zwischen Klerus und herrschendem Adel errichtet? Eine Art von Zeremonienraum oder Gedenkhalle (“Widum”, mit dem Wort “Widmung” verwandt) wie es unsere Führerin annahm? Die historische Forschung die Antwort noch nicht gefunden.

 

Licus

IMG_1609A beautiful late-summer Saturday afternoon walking along the Lech River, south of Landsberg. The river was full of swans, dozens of them, and as we walked  an enormous flock of honking wild geese came in over the trees and landed in the water. The Lech gets its name from the Celts who lived here and who were known to the Romans as Licates. Over the years it’s been referred to as Licus, Licca, Lecha, and finally Lech. According the the German Wikipedia, the Welsh word llech (stone slab) and the Breton word lec’h (gravestone) point to a Celtic origin, as the river is unusually gravelly.

Spaziergang an einem schönen Spätsommersamstagnachmittag den Lech entlang, südlich von Landsberg. Der Fluss war voll von Schwänen, Dutzende von ihnen, und während wir da gingen kam laut schreiend eine enorme Schar Wildgänse über die Bäume geflogen und landete im Wasser. Der Lech hat seinen Namen von den Kelten, die hier lebten. Diese waren bei den Römern als Licates bekannt. Im Laufe der Jahre ist er als Licus, Licca, Lecha und schließlich Lech bezeichnet worden. Nach der die deutsche Wikipedia, weisen die walisische Wörter Llech (Steinplatte) und die bretonische Wort lec’h (Grabstein) auf einen keltischen Ursprungs, zumal der Fluss ungewöhnlich viel Geschiebe führt.

Reading the Tabula Peutingeriana

The Tabula Peutingeriana is a 13th century copy of a Roman road map from around the 4th or 5th century CE, judging by the place names on it. It is named for Konrad Peutinger, a man of letters from 16th-century Augsburg, who had bequeathed it to his great-nephew Markus Welser (the Welser clan was a famous banker family in Augsburg, and had an Innsbruck representative in Philippine.) It is a very unusual map in that the road lengths are consistent (“längentreu”) but not the areas between them. In this way it resembles a subway map, where all the rail lines extend in directions beneficial to the space of the map but not true to actual geography. The lands on the Tabula extend from the British Isles to the Ganges Valley in India. // Die Tabula Peutingeriana ist eine im 13. Jhdt. N. Chr. angefertigte Kopie einer römischen Straßenkarte des 4 oder 5 Jhdt. N. Chr, wenn man von den verwendeten Ortsnamen ausgeht. Sie wurde nach Konrad Peutinger, einem Gelehrten des 16. Jahrhunderts in Augsburg, der es seinem Großneffen Markus Welser vermacht hatte, benannt (die Welser-Clan war eine berühmter Bankier-Familie in Augsburg, und hatte in Innsbruck einen Vertreter in Philippine). Es ist eine sehr ungewöhnliche Karte, da die Straßenlängen konsistent sind (“längentreu”), nicht aber die Gebiete zwischen ihnen. Auf diese Weise gleicht sie einer U-Bahn-Karte, in der alle Eisenbahnlinien so gerichtet sind, dass sie ins Papierformat der Karte gut passen, aber nicht tatsächliche Geographie abbilden. Die Länder auf der Tabula erstrecken sich von den Britischen Inseln bis zum Ganges-Tal in Indien.
I recently obtained a copy of Via Claudia Exkursionsführer (Via Claudia Excursion Guide) by Hermann J. Volkmann. It’s a rather academic booklet, put out by scholars of geography didactics, but not difficult to follow. To my delight, it shows with modern maps the presumed route of the Via Claudia from Augsburg to Füssen, almost to the meter, including information on where it is still accessible and where one has to detour. Volkmann says some interesting things about the famously straight Roman roads and their representation on the Tabula Peutingeriana. On the map below you will see that they are drawn as straight lines with kinks. According to Volkmann, these kinks represent stages or segments on the journey, and each joint was probably recognisable by landmarks (grave mounds, viereckschanzen, rivers, lakes) or guesthouses, found at regular intervals along the road and offering bed and board, stalls and supply depots. // Ich habe vor kurzem eine Kopie des Via Claudia Exkursionsführer (Via Claudia Wanderführer) von Hermann J. Volkmann erhalten. Es ist eine eher akademische Broschüre, die von Wissenschaftlern der Geographie erstellt wurde (Lehrstuhl für Didaktik der Geographie an d. Univ. Augsburg), aber nicht schwer zu folgen. Erfreulicherweise zeigt es mit modernen Karten die mutmaßliche Route der Via Claudia von Augsburg nach Füssen, fast auf den Meter, einschließlich Informationen darüber, wo sie noch zugänglich ist und wo man einen Umweg machen muss. Volkmann sagt einige interessante Dinge über die berühmte geraden Römerstraßen und deren Darstellung auf der Tabula Peutingeriana. Auf der Karte sieht man, dass sie als gerade Linien mit Knickstellen gezeichnet werden. Nach Volkmann, stellen Knicke Stufen oder Segmente auf der Reise dar, und jedes Gelenk war wohl erkennbar ein Wahrzeichen (Grabhügel, Viereckschanzen, Flüsse, Seen) oder Pensionen, in regelmäßigen Abständen entlang der Straße, die Unterkunft,Verpflegung, Ställe und Depots bieten.

TPSchnitt

Only two travel segments of the Via Claudia can be found on the Tabula Peutingeriana; from Augusta vindelicum (two towers near the top left corner, above) to Da novalis, and from there to Abodiacum. After that there seems to be a detour somewhere* over to the Via Raetia**, which was built later and runs through Innsbruck and the Brenner Pass. Volkmann posits that the Via Raetia was the more important route at the time, so it would have made sense to include it and not the older, longer route.
Here are the stops between Augusta vindelicum (Augsburg, Bavaria) and Tridentum (Trento, Italy). I have included the names on the Tabula Peutingeriana, a known Roman name (if different), and the modern name for that place. // Nur zwei Reise Segmente der Via Claudia konnten auf der Tabula Peutingeriana gefunden werden; von Augusta Vindelicum (zwei Türme in der Nähe der oberen linken Ecke, oben) nach Da Novalis, und von dort zu Abodiacum. Danach scheint es eine Umleitung irgendwo über der Via Raetia zu geben **, die später gebaut wurde und die durch Innsbruck und über den Brenner * verläuft. Volkmann geht davon aus, dass die Via Raetia zu der Zeit eine wichtigere Route an der Zeit war, so dass es sinnvoll war auf die Darstellung der alten Route zu verzichten. Hier sind die Rastplätze zwischen Augusta Vindelicum (Augsburg, Bayern) und Tridentum (Trento, Italien) zu sehen. Ich habe die Namen auf der Tabula Peutingeriana, bekannten römischen Namen (falls abweichend), und modernen Namen für diesen Ort gegenübergestellt.

Augusta vindelicum — Augsburg
Da novalis — possibly Obermeiting
Avodiaco — Abodiacum— Epfach
Coveliacas — “Köchel”, at Murnauer Moos***.
Tartena — Parthanum  — Partenkirchen
Scarbia  —  Klais, where Scharnitz Abbey once stood. (The story of the name Klais is connected to the Via Raetia.)
“Vetonina” —  Veldidena — Innsbruck – Wilten
Matreio —  Matreium —  Matrei am Brenner
Vipiteno  —  Vipiteno (Sterzing)
Sublavione  — Chiusa (Klaussen)
Pentedrusi  — Pons Drusi — Bolzano (Bozen)
Tredente —  Tridentum  — Trento (Trient)

*An east-west Roman road from Salzburg to Kempten connected Epfach, on the Via Claudia, with Raisting, south of the Ammersee and on the Via Raetia.  Possibly one simply detoured there. // Eine Ost-West-Römerstraße von Salzburg nach Kempten verband Epfach, an der Via Claudia, mit Raisting, südlich des Ammersees und an der Via Raetia gelegen. Möglicherweise wurde sie hier einfach umgeleitet.

** The name Via Raetia is a later invention, the Roman name for this road is forgotten, if indeed it had ever had a name. // Der Name Via Raetia ist eine spätere Erfindung, der römische Name für diese Straße ist vergessen, wenn es denn jemals einen Namen hatte.

***Other researchers point to the Echelsbacher Bridge near Bad Bayersoien, but this doesn’t make sense to me. // Anderer Forscher weisen auf die Echelsbacher brücke bei Bad Bayersoien hin; mir leuchtet das aber nicht ein.